1. – 4. Schuljahr

Dietlind Fischer

Worum geht es wirklich an Weihnachten?

Mit der Krippe das Wunder der Menschwerdung Gottes veranschaulichen

Weihnachten kann ohne jeden christlichen Bezug gefeiert werden, als ein Familienfest mit Besuch und vielen Geschenken. Aber reicht das? Wenn das Geschehen rund um die Krippe in den Mittelpunkt rückt, kann das Wunder der Menschwerdung Gottes anschaulich erfahren werden.
Die Adventszeit ist mit mancherlei kulturellem Brauchtum gefüllt: mit dem Basteln von Fenster- und Tischschmuck, mit Plätzchenbacken und Wunschzettelschreiben. Die Musikschule macht noch einen Vorspielnachmittag, das Theater bietet eine Märchenvorstellung an, ein Bummel über den Weihnachtsmarkt macht Spaß, und wer auch nur leidlich auf einer Flöte Weihnachtslieder zu spielen vermag, kann sich ein schönes Taschengeld verdienen. Die kommerzielle Überfrachtung der Advents- und Weihnachtszeit trägt zur Säkularisierung bei. Überall stehen geschmückte Tannenbäume. Die Zeitungen sammeln Geld für wohltätige Zwecke und veröffentlichen täglich das „Spendenbarometer.
Schöne Stimmung säkular oder religiös?
Es gibt allerdings dahinter eine Erfahrungsebene, die das Gemüt anspricht und Kinderseelen prägen kann. Man möchte wohltätig sein, Überraschungen vorbereiten, familiäre Rituale bei Kerzenschein und Plätzchenduft pflegen, Sehnsüchte nach Aufmerksamkeit und Zuwendung wahrnehmen, Bedürfnissen nach Wärme und Licht, nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit nachgehen. Zu keiner anderen Jahreszeit wird so viel gesungen und musiziert. Der Gottesdienstbesuch an Heiligabend ist neben dem Bedürfnis nach einem Bezug zum christlichen Kern von Weihnachten vielleicht auch ein Anlass, sich an eine unbestimmte Sehnsucht zu erinnern und in eine schöne, gerührte Stimmung zu versetzen. Das reicht doch, oder nicht? Spielt die Suche nach dem Wunder von Weihnachten noch eine Rolle? Bedarf es nicht „alle Jahre wieder einer Wiederholung, um sich von der Poesie der Weihnachtserzählung anrühren zu lassen?
Brauchtum und weihnachtliche Legenden
Weihnachtslieder, bildliche Darstellungen, Gedichte und Geschichten tragen dazu bei, dem Wunder von Weihnachten nachzuspüren und auf vielfältige Weise Ausdruck zu geben, nicht nur als Idylle der Heiligen Familie, sondern auch als Kontrast oder Parodie. Um die Figuren der Weihnachtserzählungen ranken sich Legenden, in denen Wunderbares, Erstaunliches und unbändige Freude hervortritt. Vor, neben und hinter der Krippe räumlich und zeitlich tummeln sich Figuren mit Erlebnissen, die das Wunder der Menschwerdung Gottes ansprechen.
Neben Maria im blauen Mantel gibt es Josef, den Zimmermann, der in frühen bildlichen Darstellungen als Schläfer mit Judenmütze dargestellt wird. Später erscheint er dann als hilfreicher Familienvater, der neben dem Wochenbett der Maria Brei kocht oder gar für Windeln sorgt. Da gibt es die Engel, die nicht nur den Hirten die frohe Botschaft verkünden, sondern auch das Jesuskind umschwärmen, Ungeziefer vertreiben, für Ruhe sorgen, die Tiere beruhigen.
Wie sind Ochs und Esel zur Krippe gekommen? Bei Lukas kommen sie gar nicht vor, aber schon in frühesten Darstellungen des Weihnachtsgeschehens im 4. Jahrhundert sieht man diese Tiere im Stall an der Krippe. Sie ergänzen die biblischen Prophezeiungen mit Jesaja 1,3. Eigentlich gelten Ochsen und Esel als dumm, aber sie sind klüger als die Menschen, die trotz ihrer Vernunft für ihren wahren Stand blind sind. „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennts nicht, und mein Volk verstehts nicht.
Die Hirten, denen ein Engel Heilwerden verkündet und sie zur Furchtlosigkeit ermuntert, sind gesellschaftlich Diskriminierte, ausgestoßene, zwielichtige, obdachlose und durch Armut gekennzeichnete Menschen, denen das Wunder widerfährt, als sie sich auf den Weg zur Krippe machen.
Die Weisen aus dem Morgenland, die nach der Bedeutung eines leuchtenden Sterns forschen, werden in Legenden vielfältig...

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