1. – 4. Schuljahr

Susanne von Braunmühl

Was machen die Hirten an der Krippe?

Wie ungeachtete Menschen zu Schlüsselfiguren werden

Die Hirten auf dem Feld erfahren als erste die frohe Botschaft. Sie erreicht nicht die Mächtigen, sondern ausgerechnet eine Randgruppe. Und sie machen sich auf den Weg. Die Kinder entdecken: Aus scheinbar unbedeutenden Randfiguren werden plötzlich wichtige Menschen, die als erste die frohe Botschaft hören.

In der Weihnachtsgeschichte unterstreicht Lukas, dass die Botschaft den Armen, den Benachteiligten gilt. Sie rücken in den Mittelpunkt. An ihnen wird sichtbar, dass mit Jesus eine neue Zeit beginnt. Es fängt bei den Hirten an und setzt sich später fort bei den verachtetetn Zöllnern und Sündern, bei denen Jesus einkehrt. Sie alle erleben, was es heißt, ohne Vorbehalte angenommen zu werden. In ihrem Leben geschieht Heilung, die sie bisher noch nie erfahren haben.
„Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.(Lk 2,8) Mit diesen knappen Worten erzählt Lukas von den Hirten. Und doch entsteht sofort ein inneres Bild: Eine dunkle, kalte Nacht. Auf den Feldern von Bethlehem flackert ein Feuer. Müde von der schweren Arbeit, schmutzig und frierend sitzen sie zusammen und wärmen ihre klammen Finger an den Flammen. Die Schafe sind in einem Pferch zusammen getrieben und blöken leise. Die raunenden Gespräche kreisen um die täglichen Beschwernisse. Sicher ein alltägliches Bild nachts auf dem Feld. Doch in dieser Nacht geschieht etwas Unvorstellbares. „Der Engel des Herrn trat zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umleuchtete sie …“ (Lk 2, 9) Was muss das für ein Erschrecken auslösen.
Plötzlich ein gleißend helles Licht! Und dann eine unüberhörbare Stimme: „Fürchtet euch nicht. Siehe, ich verkündige euch eine große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren. (Lk 2,10) Die Worte beruhigen den ersten großen Schrecken. Und dann diese Botschaft: Gottes Sohn kommt in die Welt!
Diese wichtige Nachricht erreicht nicht die Mächtigen, die Statthalter oder Herrschenden. Mitten in der Nacht erscheint ein Engel einer kleinen Schar von Hirten auf dem Feld. Ausgerechnet den Hirten, einer geächteten Randgruppe. Sie hüten, weil sie arm und ungebildet sind, im Auftrag reicher Bürger große Herden.Mit Hunderten von Tieren ziehen sie durch die Steppe, bedroht von Wölfen, gefährlichen Schluchten, immer auf der Suche nach neuen Weideflächen. Stirbt ein Tier oder wird gerissen, ist sofort klar, dass der Hirte es entweder für die eigene Tasche verkaufte oder es einfach schlachtete.
Hirten gelten als Räuber und Betrüger, Lügner und Diebe. Ihre Kleidung ist dreckig und und sie stinken. Wer Tag und Nacht in der Wildnis bei den Tieren lebt, kann die Reinheitsgebote der frommen Juden und die Sabbatregeln nicht befolgen. Misstrauen und Verachtung schlägt ihnen entgegen. Sie dürfen nicht in die Städte und ihr Wort ist vor Gericht nichts wert. Und nun, mitten in der Trostlosigkeit in der Nacht auf dem Feld, erscheint dieser Engel.
Gottes Sohn kommt in die Welt. Ein armseliger Stall in Bethlehem ist der Geburtsort. Maria und Josef und ein kleines Kind in der Krippe. Welch eine friedvolle Szene. Staunen oder Ungläubigkeit, Freude oder Zweifel – was geht in den Hirten vor? Was für ein Ereignis! Licht in der Dunkelheit ihres Lebens „Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. (Lk 2,1718) Davon soll alle Welt erfahren. Die Hirten stürmen los. So werden sie zu Verkündern der frohen Botschaft.
Im Unterricht
Kinder können sich gut hineinversetzen in Menschen, die am Rande stehen. Sie lieben Geschichten, in denen bislang unbeachtete Menschen plötzlich Chancen bekommen, Herausforderungen bestehen und eine Wendung vollziehen zu einem Leben in Anerkennung. An und mit den Hirten...

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