1. – 4. Schuljahr

Susanne von Braunmühl / Amal Jakobi

Erzählt der Koran auch von der Geburt Jesu?

Die Geschichte von Maryam und Isa
Auf dem Pult steht der Adventskranz, auf dem Fensterbrett ist die Krippenszene aufgebaut. Weihnachten steht vor der Tür. Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas haben wir ausführlich behandelt. Die muslimischen Kinder haben gespannt zugehört. Dann tauchte diese Frage auf: „Habt ihr auch eine Weihnachtsgeschichte? Nein, eine solche Geschichte ist den muslimischen Kindern nicht bekannt. Jesus ist im Islam unter dem Namen Isa bekannt. Über seine Geburt gibt es auch im Koran eine ganz besondere Geschichte.
Kontext der Geschichte von Maryam und Isa im Koran
Ein Kind wird geboren, ein Prophet wird geboren! Propheten werden im Islam als Ausdruck göttlicher Barmherzigkeit verstanden, deren Aufgabe es ist, Überbringer der Botschaft des einen und einzigen Gottes zu sein, verbunden mit dem Glauben an den einen Gott. Einer der bedeutendsten Propheten ist der Prophet Isa (bibl. Jesus), der Sohn Maryams (bibl. Maria). Anders als im Christentum, ist Isa für Muslime ein Gesandter Gottes, jedoch nicht sein Sohn. Er wird im Koran als Isa, Sohn Maryams, bezeichnet. Demzufolge ist er ein Mensch, der das Kind einer bedeutenden und spirituell hochentwickelten Frau ist, die im Koran mehrfach ausgezeichnet wird. Gott offenbart Isa das Evangelium, eines der Heiligen Bücher im Islam. Isa wurde durch Gott mit dem sog. heiligen Geist gestärkt, damit er mit Gottes Erlaubnis Wunder bewirken kann. So lässt Gott ihn bereits im Säuglingsalter sprechen, später kann er Kranke heilen und Tote auferwecken (vgl. Kaddor / Müller 2010, S. 180).
Maryam und die Geburt Isas
Maryam wächst, nachdem ihre Eltern sterben, bei ihrem Onkel Zakariya auf, der sich wie ein Vater um sie kümmert und ihr ein Zimmer in der Nähe des Tempels gibt. Dorthin zieht sich Maryam zurück, studiert die heiligen Schriften und gedenkt Gott. Sie verhält sich anders als die jungen Frauen dieser Zeit. Sie lebt zurückgezogen im Tempel und pflegt eine starke spirituelle Beziehung zu Gott.
Immer wenn Zakariya Maryam besucht, findet er Versorgung bei ihr, was als Zeichen für ihre Besonderheit und ihr Auserwähltsein gedeutet wird. Einige Exegeten sehen darin ein Zeichen für Maryams Prophetie. „O Maria! Siehe Gott sendet dir die frohe Kunde durch ein Wort von Ihm (von einem Sohn), der bekannt werden soll als der Christus Jesus, Sohn der Maria, von großer Ehre in dieser Welt und im kommenden Leben, und von jenen (sein wird), die Gott nahegerückt sind. (Sure 3:45)
Maryam wehrt sich zunächst gegen den verkündeten Sohn, weil sie noch Jungfrau ist und von keinem Mann jemals berührt wurde. Unverheiratet einen Sohn zu bekommen, würde zu einem Konflikt mit ihrem Volk führen. Sie überwindet ihre Zweifel und lässt sich im Vertrauen auf Gott auf ihre Aufgabe ein. Maryam bewältigt die Geburt allein, wobei ihr eine Palme als Stütze und Hilfe dient. Völlig erschöpft von der schweren Geburt, klagt Maryam: „Ach wäre ich doch längst gestorben und ganz und gar vergessen. (Sure 19:23) Doch wieder spricht eine Stimme zu ihr, tröstet sie und wieder zeigt sich ihr starkes Gottvertrauen. Gott versorgt sie mit Wasser und Datteln. Dann schickt er Maryam wieder zu ihrem Volk mit dem Auftrag, nicht zu sprechen. Als Maryams Volk sie wegen des Kindes verurteilt, beginnt Isa für sie zu sprechen. Die Menschen deuten den sprechenden Säugling als göttliches Zeichen und lassen von Maryam ab. Aufgrund ihrer Geschichte gilt Maryam für Muslime als Beispiel für Gottverbundenheit und Gottvertrauen. Sie wird als einzige Frau namentlich im Koran erwähnt. Nach ihr ist das 19. Kapitel (Sure) im Koran benannt.
Die Geschichte im Unterricht
Ich zeige ein Bild von Maryam unter der Palme. Die Kinder sind verwundert. Das ist ja ein ganz anderes Bild als die vertraute Krippenszene. Wir machen uns mit den Augen auf Entdeckungstour. Die Kinder sind gespannt. Welche Geschichte steckt wohl dahinter?
Die...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen