1. – 4. Schuljahr

Susanne von Braunmühl

Die erste Weihnachtskrippe

Wie Franz von Assisi die Krippe erfand

Alle Jahre wieder stehen Krippen unterschiedlichster Ausführungen in den Kirchen und unter den Weihnachtsbäumen zu Hause. Sie stellen die Geschichte nach Lukas 2,1– 20 dar. Weihnachten ohne eine Krippe ist kaum denkbar. Doch wie ist sie entstanden?

Franz von Assisi kam in der Weihnachtszeit im Jahre 1223 auf die Idee, in den Bergen Umbriens die Weihnachtsgeschichte den dortigen Menschen leibhaft näher zu bringen. Er war fasziniert von der Menschwerdung Gottes in Armut und Demut. Nicht die Macht Gottes, sondern das Sich-Einlassen auf uns Menschen stand für ihn im Zentrum seines Glaubens. Den Bauern in den Bergen wollte er vor Augen führen, in welcher Armut der Sohn Gottes zur Welt kam. Ganz konkret und mit allen Sinnen sollten die Menschen dies erleben.
Lange beschäftigte er sich mit diesen Gedanken. Eines Tages erreichte er auf einem Spaziergang durch das angrenzende Bergland hoch oben einen kleinen Ort namens Greccio. Vor einer hohen Felswand entdeckte er eine stattliche Höhle. Das war die Lösung! Hier könnte man doch den Stall von Bethlehem nachbauen. Es gäbe genug Platz für alle Bewohner der Gegend, um gemeinsam die Ankunft des Gottessohnes feiern.
Er traf einen Mann aus dem Dorf und erzählte ihm von seinem Vorhaben. Der Bauer und seine Familie waren begeistert und schon bald begannen sie im Dorf mit den Vorbereitungen. Sie schleppten Holz und Stroh herbei und richteten die Höhle für den Weihnachtsabend her. Die ausgewählten Menschen probten ihre Rollen. Jeder wollte natürlich seine Tiere für das Fest zur Verfügung stellen. Schließlich einigte man sich darauf, nur solche Tiere auszuwählen, die eine laute Stimme haben, denn sie sollten mit den eingesetzten Pauken und Trompeten mithalten können.
Und dann kam die Weihnachtsnacht. Alle Männer und Frauen stapften mit Fackeln und Kerzen durch den Schnee den Berg hinauf. Franziskus kam mit all seinen Klosterbrüdern, und auch die Priesterschaft der ganzen Umgebung war vertreten. Es wird berichtet, dass der Jubelgesang überall zu hören war und in den Felsen widerhallte. Auch Ochs und Esel stimmten lautstark ein. Dann kehrte andächtige Stille ein. Die Priester stimmten die Messe an und Franziskus sprach die Worte aus der Bibel. Das war ein unvergessliches Weihnachten. Man beschloss, den Altar in der Höhle stehen zu lassen und so kam es, dass man bis heute in dieser Gegend in der Höhle gemeinsam Weihnachten feiert.
Die Legende berichtet, dass die Menschen mit dem Heu und dem Stroh aus der Krippe viele kranke Tiere heilen konnten, denen man davon zu fressen gab.
In Folge wurde die Szene von Jesus in der Krippe weit verbreitet. Krippendarstellungen tauchten in der Mitte des 16. Jahrhunderts in vielen katholischen Kirchen auf. In den folgenden Jahrzehnten wurde es in großen und kleinen Kirchen üblich, zur Weihnachtszeit eine Krippenszenerie aufzubauen.
Immer mehr Figuren kamen hinzu. Da erschienen die heiligen drei Könige mit Kamelen und Geschenken, viele Hirten mit allerlei Tieren. Die Stallungen wurden mit dem Stern und jubelnden Engeln versehen und die Krippenlandschaften wurden den regionalen Gegebenheiten angepasst. Bald konnte man überall Holzfiguren, Holztiere und Krippenställe erwerben, sodass die Weihnachtskrippen unter dem Weihnachtsbaum in den Häusern ihren Platz fanden. Heute sind Krippen aus der weihnachtlichen Dekoration gar nicht mehr wegzudenken. Und das alles haben wir Franz von Assisi zu verdanken.
Seine Geschichte erweckt das Interesse der Kinder. Was für eine geniale Idee, die Szene in der Krippe „lebendig aufzustellen. Man kann es förmlich sehen und hören. Und das war der Grundstein für ein Brauchtum bis heute. Gleichzeitig wird den Kindern in dieser Geschichte noch einmal besonders deutlich, in welch unbeschreiblicher Armut Jesus, Gottes Sohn auf die Welt kam.
Im Unterricht
Ich beginne mit einem Spotlight auf die Weihnachtskrippe im...

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